Der Sedemünder Krötenteich

Nahe Sedemünder betreibt der NABU einen Krötenteich bei einer Unterführung der B 217

Laichende Grasfrösche
Laichende Grasfrösche - Foto: NABU/U. Manzke

Sedemünder, 2004 Das Stadtgebiet Springe liegt ca. 20 km südwestlich von Hannover im Weser-Leine-Bergland und in der Calenberger Lössbörde. Es ist von mehreren stark frequentierten Straßen durchschnitten, was vielerorts zur Trennung von Winter- und Sommerlebensräumen und Laichgewässern von Amphibien geführt hat. Neben mehreren mehr oder weniger aktiv durchgeführten Schutzmaßnahmen (Stadt Springe, Untere Naturschutz-behörde und private Aktivitäten) betreibt der NABU an der B 217 bei Sedemünder seit 1981 aktiv Amphibienschutz.

 

Hier wandern die Tiere - hauptsächlich Erdkröten (Bufo bufo) - aus dem Kleinen Deister kommend, in südwestlicher Richtung zum Quellgebiet des Sedemünder Mühlbachs, wobei die B 217 überquert werden muss. Die Population wurde vom Niedersächsischen Landesamt für Ökologie (NLÖ) als groß bis sehr groß eingestuft und erfüllt damit das Kriterium einer "Population von landesweiter Bedeutung". Ein 1990 nordöstlich der B 217 angelegtes Ersatzgewässer (Kosten: ca. 20.000 DM, mit 50%iger Förderung durch den damaligen Landkreis Hannover, Untere Naturschutz-behörde) wurde spontan gut angenommen, konnte aber nicht verhindern, dass auch weiterhin viele Tiere zum ursprünglichen Laichgewässer wandern. Hauptgrund ist offensichtlich die Tatsache, dass es hier auf einer Gesamtstrecke von ca. 2 km mehrere Wanderschwerpunkte gibt.


Interaktive Karte mit Krötenteich in der Mitte (OpenStreetMap)
Fadenmolch-Männchen
Fadenmolch-Männchen - Foto: NABU/U. Manzke

Neben Erdkröte (Bufo bufo) kommen Teichmolche (Triturus vulgaris) mit starker Zunahme, Bergmolche (Triturus alpestris) und Fadenmolche (Triturus helveticus), sowie Grasfrösche (Rana temporaria) vor. Da die B 217 immer mehr autobahnartig ausgebaut wird, streben wir - mit Unterstützung durch die Untere Naturschutzbehörde, der Stadt Springe und dem Niedersächsischen Landesamt für Ökologie (NLÖ) - die kurzfristige Schaffung von wirkungsvollen und möglichst wartungsarmen Amphibiendurchlässen und Leitsystemen an.

 

Seit mehreren Jahren steht der NABU Springe mit der Straßenbauverwaltung und den anderen beteiligten Stellen in Verhandlung, um dieses Ziel zu erreichen. Wir werden dabei nicht locker lassen! Bis dahin muss dort der Amphibienschutz wie bisher weiter durchgeführt werden. Das heißt: Da die Laichwanderungen der Amphibien je nach Wetterlage Ende Februar/ Anfang März bei Nachttemperaturen ab + 5 Grad C beginnen, muss möglichst kurzfristig und schnell der ca. 600 m lange Fangzaun aus Kunststoffgeflecht aufgestellt werden. Der Aufbau des Fangzauns ist sehr arbeitsaufwendig und erfordert viele fleißige Helferinnen und Helfer. Das war bis jetzt durch die Mithilfe von Schülerinnen und Schülern, den Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus Altenhagen I und anderen Naturfreundinnen und Naturfreunden immer möglich, wofür sich der NABU Springe bei dieser Gelegenheit ganz herzlich bedankt.

Klammerpaar der Erdkröte
Klammerpaar der Erdkröte - Foto: NABU/U. Manzke

Wenn der Fangzaun steht, muss er ganz konsequent mindestens zweimal täglich abgesucht und die eingesammelten Tiere gezählt und in den Teich gesetzt werden. Das erfolgt morgens am Besten noch vor dem Hellwerden, da sich die Amphibien zum Schutz vor Fressfeinden bei Tagesanbruch eingraben. Abends setzt die Laichwanderung gegen 20:00 Uhr ein. Die stärksten Wanderungen finden bei milder Witterung mit leichtem Regen statt. An solchen Tagen können sie sich bis weit nach 22:00 Uhr hinziehen. Kälteeinbrüche und starke Winde unterbrechen die Wanderaktivität der Amphibien immer wieder. Das hat zur Folge, dass die Wanderungen bis Mitte April dauern können. Erst dann kann der Fangzaun wieder abgebaut werden!

 

Für die zeitaufwendigen Kontrollen werden in jedem Jahr zahlreiche zuverlässige und "wetterfeste" Helfer und Helferinnen benötigt, die sich die Arbeit nach Plan einteilen. Bis jetzt haben uns auch hierbei einige sehr engagierte Naturfreundinnen und Naturfreunde geholfen. Bei ihnen bedanken wir uns ganz herzlich, denn wer ist heutzutage schon bereit, bei jedem Wetter und in der Dunkelheit an der B 217 Amphibien einzusammeln, um sie vor dem sicheren Straßentod zu retten! Aber obwohl diese Arbeit recht anstrengend und bei schlechtem Wetter sehr unangenehm sein kann, macht sie doch auch viel Freude, denn wenn man so einen Wassereimer voller Kröten und Molche zum Teich getragen und dabei in die goldenen Augen der Kröten gesehen hat, geht man mit dem guten Gefühl nach Hause, wirklich etwas Gutes für die Natur getan zu haben.

 

Nach Beendigung der Laichwanderung werden die Ergebnisse zahlenmäßig zusammengestellt und der Fachbehörde für Naturschutz im Niedersächsischen Landesamt für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN; früher NLÖ) zur weiteren Verwendung mitgeteilt.

 

Amphibienleiteinrichtung und Krötentunnel seit 2008

Bau der Amphibienleiteinrichtung
Bau der Amphibienleiteinrichtung - Foto: NABU Springe e.V.

Baumaßnahmen im Winter 2007 haben dazu geführt, dass die ersten Molche und Erdkröten gefahrlos ohne Hilfe des NABU Springe die B 217 bei Sedemünder passieren konnten.  Es wurden zwei eckige Stelztunnel mit einer lichten Weite von ca. 1,5 x 1,0 m eingebaut. Stelztunnel bedeutet, dass die Bauelemente unten offen sind, so dass die Tiere auf natürlichem Grund und nicht auf Beton laufen. An jeder Seite der Straße wird eine Leitein-richtung mit jeweils einer Länge von 750m installiert.

 

Die Maßnahme muss bei der Amphibienwanderung durch ein Fachbüro auf ihre Funktion kontrolliert werden (Monitoring), dies ist eine Vorgabe der unteren Naturschutzbehörde bei der Region Hannover. Selbstverständlich wird auch der NABU Springe sehr aufmerksam beobachten, was sich dort tut.

 

Von Kröten, Fröschen und Molchen

15.02.2009, von Rudi Krause (Spitzname: Kröten-Krause)

Geburtshelferkröte
Geburtshelferkröte - Foto: NABU/U. Manzke

Ein Jahr nach dem Bau der zwei Amphibiendurchlässe und der Leiteinrichtungen an der B 217 bei Sedemünder sind wir sehr gespannt, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Die Ergebnisse aus 2008, welche bei der ersten der zunächst für 5 Jahre festgeschriebenen Erfolgskontrollen durch das Fachbüro Abia GbR, Barsinghausen, ermittelt wurden, lassen hoffen, denn etwa ein Drittel der an der Leiteinrichtung zur Kontrolle gekennzeichneten Erdkröten haben die Durchlässe passiert. Dabei muss berücksichtigt werden, dass während der Amphibienwanderung noch einige Restarbeiten der Baumaßnahme an der Straße erledigt werden mussten.

 

Nun könnte man jubeln und sich über den grandiosen Erfolg für den Amphibienschutz freuen. Bedenken muss man dabei aber, dass vom amtlichen Naturschutz bei der Region Hannover und dem Amphibienfachmann beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wegen der Gesamtlänge dieses Amphibienwanderbereichs von fast 1000m mindestens weitere 5 - 6 Durchlässe als optimal angesehen werden. Es wurde demnach also lediglich ein Kompromiss mit einer Mindestforderung aus Sicht des Amphibienschutzes gefunden.

 

Viel bleibt noch zu tun, denn für mehrere bekannte Amphibienwanderwege - z.B. bei Dahle, an der Straße Kurzer Ging, bei Sophienhöhe, an der Straße zwischen Gestorf und Hüpede und bei der Holzmühle - besteht noch großer Handlungsbedarf. Eine sehr erfreuliche Entwicklung gab es hingegen an der verlängerten Philipp-Reis-Straße beim Rambke - Regenrückhaltebecken in Springe, wo im Frühjahr 2008 von Kindern und Eltern des Waldkindergartens, unter Leitung von Bernd Schönebaum, mehr als 4.000 Amphibien am erstmals errichteten Fangzaun, den wir zur Verfügung stellten, eingesammelt und über die Straße getragen wurden. In vorbildlicher Zusammenarbeit zwischen dem Waldkindergarten, den Naturfreunden Springe, dem Realverband Springe, dem Umweltamt der Stadt Springe, der Stadtforst sowie der Unteren Naturschutzbehörde bei der Region Hannover und mit Beratung durch den NLWKN wird nach einer für alle akzeptablen Lösung gesucht. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass es hierbei kurzfristig zu einem guten Ergebnis kommt. 

 

Tatsache ist aber auch, dass weltweit ein gravierender Rückgang - bis hin zum Aussterben einzelner Amphibienarten - zu beklagen ist. Von den 21 bei uns bekannten Arten gelten nur noch 7 nach der "Roten Liste" als nicht gefährdet. Lebensraumverlust und -zerschneidung durch Verkehrswege, Vergiftung und Gewässerverschmutzung sind - neben Auswirkungen der Klimaveränderung - die wichtigsten Ursachen. Eine weitere, von der Wissenschaft noch gar nicht zu überschauende und weltweit zu beobachtende Gefahr ist der Befall mit einem Hautpilz (Chytridpilz), der zum Tod vieler Amphibien führt. 

 

Der weltweit meist im Verborgenen von statten gehende Exodus bei den Amphibien bedeutet auch für uns Menschen einen großen Verlust. So hat die Pharmaforschung in jüngster Vergangenheit z.B. aus den Absonderungen mehrerer Pfeilgiftfroscharten bereits diverse Substanzen isoliert, die in Heilmitteln verwendet werden. Ausgerechnet eine Amphibie, die bei uns lebt, nämlich der Teichfrosch Rana esculenta, scheint hier mit dem nach ihm benannten Wirkstoff Esculatin eine Lösung bei dem Problem der Unwirksamkeit mancher Antibiotika aufzuzeigen. 

 

Wenn man bedenkt, wie es in den 1970er Jahren mit dem Amphibienschutz angefangen hat, wie die Pioniere auf diesem Gebiet teilweise belächelt, mit Häme bedacht und oft als "grüne Spinner" bezeichnet wurden, kann man feststellen, dass es doch ein gewaltiges Umdenken gegeben hat. Aber es bleibt - trotz allem - noch viel zu tun.

 

Erdkröte im Sammeleimer - Foto: NABU/ H. May
Erdkröte im Sammeleimer - Foto: NABU/ H. May

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