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NABU Springe Ziegeunerwäldchen

Das Ziegeunerwäldchen - eine Naturschutzoase in den Gemarkungen Eldagsen, Gestorf und Hallerburg -

Von Bernd Ockenfeld

Springe, 15.02.09 Diese mittlerweile auch über Springe hinaus bekannte Naturschutzeinrichtung hat eine besondere Bedeutung für unseren Verein, daher soll an dieser Stelle auch kurz auf die Historie dieses Gebietes eingegangen werden.

Lageplan

Historische Betrachtung (Rückblick) Bis in die heutige Zeit hinein hat es immer wieder Nachfragen wegen der Schreibweise "ie" oder "i" dieses Gebietes gegeben. Nach Angaben des Arbeitskreises Stadtgeschichte Eldagsen ist in einer Karte von 1783 dort schon eine Ziegelei eingezeichnet.

In der vom LK Hannover herausgegebenen Flurnamensammlung Gestorf wird folgendes ausgeführt:
"1833 verpflichtet sich der Pächter der baufällig gewordenen - am tiefen Pumpe in der Aue - gelegenen Ziegelei, neue Ziegeleigebäude nahe westlich des Eldagsener Fahrweges zur Schweinebrücke auf dem höher gelegenen Angerplätzen auf seine alleinige Gefahr und Kosten zu errichten. Dazu gehört auch eine Koppel zwischen der alten und neuen Haller bzw. zur Nutzung zum Tonstich und als Weide. 1899 werden noch größere Reparaturarbeiten an der Ziegelei ausgeführt. Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte die Stilllegung und der Gebäudeabbruch. Mit dem Bauschutt wurde der Tonstich verfüllt. Das sumpfige Wiesengrundstück wurde in ein Gehölz umgewandelt."
Unter dem Flurnamen "Ziegeunerwäldchen" wird ausgeführt:
"Der junge Flurname wurde gebräuchlich, weil in dem Wäldchen oft Zigeuner lagerten.". Die Schreibweise "Ziegeunerwäldchen" hat sich insbesondere nach dem 2. Weltkrieg eingebürgert und ist wahrscheinlich auf die frühere Nutzung als Ziegeleigelände zurückzuführen.

Weitere Entwicklung: Insbesondere im nordwestlichen Teil an der Landesstraße wurde zeitweilig im erheblichen Umfang Müll entsorgt. Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, wurde 1978 in einer gemeinsamen Aktion des Ordnungsamtes der Stadt Springe, der Jugendfeuerwehren Eldagsen und Gestorf sowie Landwirten und Jägern ca. 50 m3 entfernt. Dadurch und durch eine gezielte Überwachung sowie Ermittlung und Anzeige von Umweltsündern trat eine erhebliche Besserung ein.

Im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform ging das Gebiet 1974 in der Größe von 9 ha von der Stadt Eldagsen auf die Stadt Springe über. Da es forstwirtschaftlich nicht gewinnbringend zu nutzen ist, veräußerte diese 1983 an den damaligen Bund für Vogelschutz für den Betrag von 90.000 DM, die in Raten von der Ortsgruppe Springe aufgebracht werden mussten, da diese seinerzeit noch kein eingetragener Verein war, trat der Landesverband als Käufer auf. Ein wichtiger Meilenstein war die Ausweisung als Naturschutzgebiet durch die Bezirksregierung Hannover im Jahre 1986 in einer Größe von 15 ha, also über die Eigentumsflächen des DBV hinaus. In den folgenden Jahren wurden folgende Schwerpunkte gesetzt und zwar

  1. 1. der Ankauf benachbarter Flächen zwecks Arrondierung und Vergrößerung des Gebietes insbesondere mit finanzieller Unterstützung der Bezirksregierung Hannover - obere Naturschutzbehörde. Hier hat sich unser leider viel zu früh verstorbenes Mitglied Hans Hoffmann große Verdienste erworben.
  2. 2. die Pflege und Entwicklung des Gebietes im Sinne des Naturschutzes durch die Überführung ehemals landwirtschaftlich genutzter Flächen von der intensiven in die extensive Bewirtschaftung, Anlegung von Feuchtgebieten, Anpflanzung von Hecken usw. Besonders herausgestellt werden muss in diesem Zusammenhang auch der im Jahre 2004 fertiggestellte Pflege- und Entwicklungsplan "Ziegeunerwäldchen und Umgebung". Dieser Plan wurde durch die Arbeitsgemeinschaft für Landschaftsplanung, Ökologie und Naturschutz, Garbsen, erstellt in enger Absprache mit den Naturschutzbehörden der Region Hannover, des Landkreises Hildesheim sowie des NABU Springe. Er umfasst eine Fläche von ca. 80 ha und gliedert sich in die Teile 1 "Bestand und Bewertung" sowie Teil 2 "Pflege und Entwicklung" Der Plan stellt eine wichtige Arbeitsgrundlage für alle Beteiligten dar. Erwähnt werden sollte auch die 1990 durch unser Mitglied Ulrike Köhler erstellte Diplomarbeit "Das Naturschutzgebiet Ziegeunerwäldchen im Landkreis Hannover".
  3. 3. die Beobachtung und Erfassung der Tier- und Pflanzenwelt aufgrund der unter Punkt 2 getroffenen Maßnahmen. Die Ergebnisse stimmen uns sehr hoffnungsfroh, so konnten z.B. alleine 25 Vogelarten wie auch 27 Nachtfalterarten die auf der "Roten Liste" stehen, beobachtet werden. Auch in der Vegetationsvielfalt ist eine deutliche Verbesserung zu verspüren.
  4. 4. die Einbindung der benachbarten Grundstückseigentümer und der allgemeinen Bevölkerung durch Gespräche, Information und Führungen.

Künftige Aufgaben und Maßnahmen: Die im Abschnitt "Weitere Entwicklung" aufgeführten Schwerpunkte müssen auf jeden Fall fortgeführt werden. Dabei sollte, soweit rechtlich möglich - eine weitere Vernässung vorgenommen werden, da man in der Vergangenheit allein durch die Laufbegradigung und Räumung der Haller den Grundwasserspiegel im Bereich der Talsohle auf 1,5 bis 2 m abgesenkt hat, was noch durch Drainagen verstärkt wurde. Um allerdings auch hier eine fachliche und rechtliche Grundlage zur Hand zu haben, müsste endlich der Gewässerentwicklungsplan "Haller" in Auftrag gegeben werden. Damit die notwendigen Maßnahmen auch langfristig durchgeführt werden können, wird der NABU Springe in Kürze die Stiftung "Naturlandschaft Deister und Haller" gründen. Er hofft dabei auch auf zahlreiche Zustiftungen. Bei all unseren bisher durchgeführten Maßnahmen haben wir uns stets bemüht, eng und vertrauensvoll mit den benachbarten Grundeigentümern, Verbänden und Dienststellen zusammen zu arbeiten und wir wollen dieses auch weiterhin tun.

 

Das Ziegeunerwäldchen

Ein Naturschutzgebiet zwischen Gestorf und Eldagsen

1990 wurde die erste 100 m lange Feldhecke in der Gemarkung im Einvernehmen und auf Flächen des Realverbandes gepflanzt. Bis Ende 2000 haben wir die Heckenanpflanzungen auf eine ungefähre Länge von 3,5 km erweitert.

In diesem Zeitraum konnte auch das NSG Ziegeunerwäldchen durch Flächenzukäufe, finanziert aus NABU- und Bezirksregierungsmitteln um 4,5 ha erweitert werden. Die Flächen wurden aus vorwiegend intensiv genutztem Ackerland zum Teil durch Bodenbewegungen und Drinagerückbau in extensiv bewirtschaftetes, feuchtes Grünland umgewandelt.

Die Biotopgestaltungsmaßnahmen wurden aus NABU-Mitteln, sowie Projektförderungen der Niedersächsischen Umweltstiftung, des Landkreises und der Umweltlotterie Bingo-Lotto finanziert. Der Großteil entfällt auf Hecken- und Feldgehölzbepflanzungen sowie Bodenmodellierungen zur Anlage von Senken und Tümpeln.

1999 legten wir zusammen mit dem THW Springe einen Tümpel durch Sprengung an. Diese Methode wurde, nach anfänglicher Skepsis, auch von den Behörden als voller Erfolg gewertet.

Alle Maßnahmen haben zur erheblichen Strukturverbesserung und Vielfalt beigetragen und ein erfreuliches Ansteigen von Individuen und Arten aus Flora und Fauna bewirkt, wie zum Beispiel avifaunistische Langzeitbeobachtungen belegen. Weiteres Ziel ist es, die Vernetzung mit den umliegenden Biotopen zu verbessern, sowie das Schutzgebiet durch Flächenkäufe zu vergrößern und naturschutzfachlich zu optimieren.

 

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