NABU Springe Der Krötenteich in der Nähe von Sedemünder
Von Kröten, Fröschen und Molchen
Von Rudi Krause - (Spitzname: Kröten-Krause)
Die Geburtshelferkröte war einst im Deister weit verbreitet © U. Manzke
Springe, 15.02.09
Ein Jahr nach dem Bau der zwei Amphibiendurchlässe und der Leiteinrichtungen an der B 217 bei Sedemünder sind wir sehr gespannt, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Die Ergebnisse aus 2008, welche bei der ersten der zunächst für 5 Jahre festgeschriebenen Erfolgskontrollen durch das Fachbüro Abia GbR, Barsinghausen, ermittelt wurden, lassen hoffen, denn etwa ein Drittel der an der Leiteinrichtung zur Kontrolle gekennzeichneten Erdkröten haben die Durchlässe passiert. Dabei muss berücksichtigt werden, dass während der Amphibienwanderung noch einige Restarbeiten der Baumaßnahme an der Straße erledigt werden mussten. Nun könnte man jubeln und sich über den grandiosen Erfolg für den Amphibienschutz freuen. Bedenken muss man dabei aber, dass vom amtlichen Naturschutz bei der Region Hannover und dem Amphibienfachmann beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wegen der Gesamtlänge dieses Amphibienwanderbereichs von fast 1000 m mindestens weitere 5 - 6 Durchlässe als optimal angesehen werden. Es wurde demnach also lediglich ein Kompromiss mit einer Mindestforderung aus Sicht des Amphibienschutzes gefunden.
Viel bleibt noch zu tun, denn für mehrere bekannte Amphibienwanderwege - z.B. bei Dahle, an der Straße Kurzer Ging, bei Sophienhöhe, an der Straße zwischen Gestorf und Hüpede und bei der Holzmühle - besteht noch großer Handlungsbedarf. Eine sehr erfreuliche Entwicklung gab es hingegen an der verlängerten Philipp-Reis-Straße beim Rambke - Regenrückhaltebecken in Springe, wo im Frühjahr 2008 von Kindern und Eltern des Waldkindergartens, unter Leitung von Bernd Schönebaum, mehr als 4.000 Amphibien am erstmals errichteten Fangzaun, den wir zur Verfügung stellten, eingesammelt und über die Straße getragen wurden. In vorbildlicher Zusammenarbeit zwischen dem Waldkindergarten, den Naturfreunden Springe, dem Realverband Springe, dem Umweltamt der Stadt Springe, der Stadtforst sowie der Unteren Naturschutzbehörde bei der Region Hannover und mit Beratung durch den NLWKN wird nach einer für alle akzeptablen Lösung gesucht. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass es hierbei kurzfristig zu einem guten Ergebnis kommt.
Tatsache ist aber auch, dass weltweit ein gravierender Rückgang - bis hin zum Aussterben einzelner Amphibienarten - zu beklagen ist. Von den 21 bei uns bekannten Arten gelten nur noch 7 nach der "Roten Liste" als nicht gefährdet. Lebensraumverlust und -zerschneidung durch Verkehrswege, Vergiftung und Gewässerverschmutzung sind - neben Auswirkungen der Klimaveränderung - die wichtigsten Ursachen. Eine weitere, von der Wissenschaft noch gar nicht zu überschauende und weltweit zu beobachtende Gefahr ist der Befall mit einem Hautpilz (Chytridpilz), der zum Tod vieler Amphibien führt.
Der weltweit meist im Verborgenen von statten gehende Exodus bei den Amphibien bedeutet auch für uns Menschen einen großen Verlust. So hat die Pharmaforschung in jüngster Vergangenheit z.B. aus den Absonderungen mehrerer Pfeilgiftfroscharten bereits diverse Substanzen isoliert, die in Heilmitteln verwendet werden. Ausgerechnet eine Amphibie, die bei uns lebt, nämlich der Teichfrosch Rana esculenta, scheint hier mit dem nach ihm benannten Wirkstoff Esculatin eine Lösung bei dem Problem der Unwirksamkeit mancher Antibiotika aufzuzeigen.
Wenn man bedenkt, wie es in den 1970er Jahren mit dem Amphibienschutz angefangen hat, wie die Pioniere auf diesem Gebiet teilweise belächelt, mit Häme bedacht und oft als "grüne Spinner" bezeichnet wurden, kann man feststellen, dass es doch ein gewaltiges Umdenken gegeben hat. Aber es bleibt - trotz allem - noch viel zu tun.
Endlich!
Amphibienleiteinrichtung - Krötentunnel - wird gebaut
Dem Bau vorausgegangen ist ein jahrzehntelanger Einsatz des NABU um den Amphibienschutz an der B 217 bei Sedemünder
Die Amphibienleiteinrichtung wird gebaut
Es wurden zwei eckige Stelztunnel mit einer lichten Weite von ca. 1,5 x 1,0 m eingebaut. Stelztunnel bedeutet, dass die Bauelemente unten offen sind, so dass die Tiere auf natürlichem Grund (nicht auf Beton) laufen. An jeder Seite der Straße wird eine Leiteinrichtung mit jeweils einer Länge von 750 m installiert. Die Maßnahme muss bei der Amphibienwanderung durch ein Fachbüro auf ihre Funktion kontrolliert werden (Monitoring), dies ist eine Vorgabe der unteren Naturschutzbehörde bei der Region Hannover. Selbstverständlich wird auch der NABU Springe sehr aufmerksam beobachten, was sich dort tut.
Der Krötenteich in der Nähe von Sedemünder
Nahe Sedemünder betreibt der NABU einen Krötenteich bei einer Unterführung der B 217
Klammerpaar der Erdkröte © U. Manzke
Fadenmolch-Männchen © U. Manzke
Laichende Grasfrösche © U. Manzke
Nach Beendigung der Laichwanderung werden die Ergebnisse zahlenmäßig zusammengestellt und der Fachbehörde für Naturschutz im Niedersächsischen Landesamt für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN; früher NLÖ) zur weiteren Verwendung mitgeteilt.
Linkliste
"Ein König sucht sein Reich" unser Artenhilfs- und Kleingewässer-Schutzprojekt im Regionalverband HannoverDie Amphibien der Region Hannover
www.amphibianark.org - Die Amphibien-Arche, unter der Schirmherrschaft von Sir David Attenborough - der NABU Regionalverband Hannover macht mit !
Rudi Rotbein
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